Antonia Fehrenbach
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Erzählen bedeutet neue Erfahrungen machen.  

Das Projekt: Segeberger Erzählertreffen


Wer seine Lebensgeschichte oder Episoden daraus für Familie, Freunde und andere Menschen festhalten möchte, schreibt sie auf oder lässt seine Biografie erstellen. Inzwischen werden Städte-Biografien in Museen als Kunstwerke ausgestellt. Weshalb also nicht die „Biografie“ eines Projektes verfassen?

Der 21. Mai 2010 ist die Geburtsstunde des Segeberger Erzählertreffens.

Sie, liebe Leser und Leserinnen, sind online mit dabei, können hier erfahren, wie es weiter geht, denn hier sollen alle wichtigen Schritte chronologisch festgehalten werden. Aktuelles finden Sie ganz oben, für die Anfänge müssen Sie zurückblättern. Es steht Ihnen frei, sich mit Ideen, Vorschlägen, Tipps und Geschichten an seinem guten Gedeihen zu beteiligen. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail. Ihr Beitrag kann in Absprache mit Ihnen hier eingestellt werden.

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Treffen am 23. Juni im Kulturhaus REMISE, Bad Segeberg

9:30

Die Sonne scheint. An der Hauswand der alten Remise hängt die Kletterose voll roter Blüten. Der Hund neben mir hebt die Nase, schnuppert. Ich gehe hinein. Kein Mensch da. Nur Gemälde. Ich laufe die Galerie von Bildern ab, schaue nach oben, rufe. Dann höre ich Schritte auf der Treppe, eine Stimme. Ich sehe Füße in eleganten Slippern, Beine und das Gesicht, ein Handy am Ohr. Sie lächelt, winkt. Ich soll nach oben kommen.
„Und der Hund?“ will ich wissen.
„Kann mit kommen“, sagt sie. „Ich habe immer Hunde gehabt.“

Ich sitze in ihrem Büro. Diese Frau vermag es, viele kleine Dinge so zusammenzubringen, dass jedes für sich sein darf und doch alles im Miteinander ist. Zettel, wir reden, Namen, wir notieren, das Telefon klingelt. Auf der Fensterscheibe klebt ein Transparent. Ich lese:
Es gibt meine Wahrheit, deine Wahrheit und es gibt die Wahrheit. Dazu hätte ich gerne etwas gesagt. Sie telefoniert, mal etwas länger, mal ganz kurz, kommt sofort auf unser Thema zurück. Erzählertreffen hält sie für besser als Erzählsalon. Ich finde das auch.
Unter dem Tisch ein roter Teppich, auf dem nun der Hund schläft.
„Was sind das für Geschichten, die einen Menschen abends nach einem langen Arbeitstag vom Sofa holen können?“ fragt sie.
„Nichts Fremdes, Vorgelesenes“, antworte ich. „Selbst Erlebtes sollte es sein. Lebensgeschichten.“
Sie überlegt. „Erzähl mir einmal von dir?“
„Das bringt es auf den Punkt“, sage ich und denke an meine schönste Reise.
„Ich war einmal im Himalaya.“
„Und ich auf der chinesischen Mauer.“

„Für den Einstieg brauchen wir ein leichtes Thema“, sagt sie.
„Meine schönste Reise“, schlage ich vor.
„Könnte gehen.“ Sie wiegt den Kopf. „Aber, holt Sie das wirklich vom Sofa?“ Und nach einer kurzen Pause: „Kennen Sie den Film
Unter dem Sand? Die Geschichte ist mitreißend.“ Sie fängt an, zu erzählen.
„Und, gibt es ein gutes Ende?“
„Das verrate ich jetzt nicht.“ Sie lächelt geheimnisvoll. „Sie müssen ihn ansehen. Er wird Ihnen gefallen.“
„Ich weiß auch einen besonderen Film“, sage ich und erzähle von
Bin Jip. Sie notiert sich den Titel. Da fällt mir ein: „Vor Kurzem habe ich einen Film gesehen, wie Blinde den Himalaya besteigen“. Blindsight. Ich habe den Palast aus Eis wieder vor Augen, seine bizarren Kristallformationen und die vielen Hände, die sie zu erfassen versuchen. Warum muss ich jetzt daran denken? Auf dem Fenster lese ich wieder den Spruch: Es gibt meine Wahrheit, deine … . Ja, genau, darüber hatte ich sprechen wollen. Weshalb sonst erzählen wir uns Geschichten?
„Reisen und andere Kulturen“, sagt sie plötzlich. „Wäre das nicht ein Thema, mit dem wir anfangen könnten?“
„Ja, und das zum Ende des Winters“, pflichte ich bei. „Wenn alle danach lechzen, endlich aufzubrechen, aber die Abende noch dunkel sind. Dann hat man Zeit für Geschichten.“
Ihr fällt ein Spruch dazu ein: „Zeit ist keine Schnellstraße zwischen Wiege und Grab, sondern ein Platz zum Parken in der Sonne.“

Anhalten. Erzählen. Zuhören. Und mit den Ideen spazieren gehen. So wollen wir verbleiben. Bis nach den Ferien. Gute Reise!
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